Krefeld. Achtzig gespannt blickende Augenpaare hängen an Abdurrahman Karakelle, Sekretär des Vereins Islamische Brudergemeinschaft, als er den Aufbau der Merkez Cami-i Zentrum Moschee auf der Viersener Straße erklärt. Die dritten und vierten Klassen der Regenbogenschule sind heute hier zu Gast. Seit zehn Jahren besuchen alle Kinder der Grundschule auf der Gladbacher Straße eine der umliegenden Moscheen nach dem Bayramfest, auch Zuckerfest genannt, das am Ende der muslimischen Fastenzeit Ramadan gefeiert wird.
„Für uns sind diese Besuche zu einer Selbstverständlichkeit geworden“, sagt Schulleiter Alfred Kuhn. „Viele Eltern wählen konfessionelle Grundschulen, weil dort Werte vermittelt werden. Aber auch auf einer Gemeinschaftschule kann dies passieren.“ Dank dieser Besuche hätten mittlerweile auch die allermeisten muslimischen Eltern nichts mehr dagegen, wenn ihre Kinder an einem katholischen oder evangelischen Gottesdienst teilnähmen.
Abdurrahman Karakelle erklärt mit einfachen Worten die Rituale und Bräuche im Islam. Die Schüler lauschen gebannt und sind außerordentlich still. Danach ist die Zeit für Fragen gekommen. „Warum steht da 2006?“, will Tolga wissen und zeigt auf eine elektronische Anzeigentafel an der Wand, auf der viele Zahlen zu sehen sind. „Das heißt 20.06 Uhr“, erklärt Karakelle.
„Auf der Tafel stehen unsere Gebetszeiten. Muslime sollten fünfmal am Tag beten und die Uhrzeiten ändern sich, weil sie sich nach dem Stand der Sonne richten.“ Das war das richtige Stichwort. Christian fragt: „Aber warum müsst Ihr die Gebete machen?“ „Das wird von Gott empfohlen“, sagt Karakelle, „aber jeder muss das für sich selbst entscheiden.“ Das Frage-Antwort-Spiel dauert noch eine Weile, bis der Zweitimam Hasan Aksoy eine arabische Sure aus dem Koran vorliest.
Ein Junge, der mit seinem Nachbarn quatscht, wird von einem vorne sitzenden Mädchen gerügt: „Halloooo, wir sind hier in einer Moschee!“ Danach beten die Kinder zusammen mit dem Imam Sevket Zengin. „Das machen wir schließlich in den christlichen Gottesdiensten genauso“, sagt Schulleiter Kuhn. Nachdem die Kinder die Gebetsempore erkunden durften, gibt es noch etwas zu Naschen. Dann geht es zurück zur Schule.
Karakelle hat speziell für diesen Tag seine Arbeitszeit verschoben. „Mir macht das hier sehr viel Spaß“, sagt er. „Kinder in diesem Alter sind wie leere Festplatten: ohne Vorurteile. Deswegen ist es wichtig, dass man andere Glaubensrichtungen früh kennen lernt.“




